Das Model und der „Stinkefinger“

Das Landgericht Frankfurt a.M. hatte sich mit folgendem Sachverhalt auseinanderzusetzen: Nach einem Fotoshooting mit einem weiblichen Model veröffentlichte der Fotograf unter anderem ein Foto des Models auf Facebook. Das Foto zeigte das Model mit nackter Brust. Auf der Brust hatte der Fotograf nachträglich ein „Stinkefinger“ eingefügt. Er wertete dies als Protest gegen Facebook, welches die Veröffentlichung von einem eine nackte Brust zeigendes Foto verbiete. Das Model sah dies jedoch anders. Sie fühlte sich durch den „Stinkefinger“ betroffen und verlangte vom Fotografen das Foto nicht weiter zu veröffentlichen. Dieser weigerte sich jedoch mit dem Hinweis darauf, dass ihm im Rahmen des abgeschlossenen Model-Release-Vertrags sämtliche Nutzungsrechte des Fotos übertragen wurden. Das Model erhob schließlich Klage auf Unterlassung und Zahlung von Schadensersatz.

Das Landgericht Frankfurt a.M. entschied zu Gunsten des Models. Ihr stehe sowohl der Anspruch auf Unterlassung als auch auf Zahlung des Schadensersatzes in Höhe von 500 EUR zu.

Der von den Parteien abgeschlossene Model-Release-Vertrag umfasse nach Auffassung des Landgerichts nicht das Recht zur Bearbeitung der Fotografie in der hier vorliegenden Art und Weise. Die Montage eines „Stinkefingers“ auf die Brust des Models stelle eine erhebliche Veränderung der Fotografie dar, die über eine übliche Nachbearbeitung oder Retusche von Fotografien deutlich hinausgehe. Es fehle insoweit bereits an der Berechtigung des Fotografen, die Fotografie in dieser Form zu veröffentlichen.

Landgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 30.05.2017
– 2-03 O 134/16, 2/03 O 134/16, 2-3 O 134/16, 2/3 O 134/16 –

Stephanie Iraschko-Luscher

20.02.2018

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